Rettungshunde 

Mit meinem Wolfsspitz Belka bilde ich ein Rettungshunde-Team für die Suche nach verletzten oder vermissten Menschen. Wir trainieren die Flächensuche (Sanitätshund) und Fährtensuche.

Belka mit Schabrake Q

Was ist ein Rettungshund?

Rettungshund

Die Bezeichnung Rettungshund ist ein Oberbegriff und steht je nach Einsatzort für eine Vielzahl von Einsatzbereichen für Mensch-Hund-Teams.

SAR Team

Flächensuche (Sanitätshund)

Der Sanitätshund sucht in unwegsamem Gelände, meist im Wald, nach verletzten oder vermissten Personen. Und dies zu jeder Tages- und Nachtzeit und bei jeder Witterung.

Der Hund darf sich dabei weder durch Wild, Wanderer oder Dickicht ablenken lassen.

Der Sanitätshunde-Führer steht auf einer gedachten Mittellinie und schickt von dort aus seinen Hund mit dem Hörzeichen «Revier» abwechslungsweise links und rechts ins Suchgebiet.

Der Sanitätshund rennt mit erhobenem Kopf durch sein Revier und sucht die vermisste Person vor allem mit den Augen. Dabei ist er völlig selbständig unterwegs.

Nach jedem Schlag (Links-Rechts-Suche) rückt der Hundeführer ein Stück weiter vor, so dass der Sanitätshund in 30 Minuten ein 5 Hektar grosses Waldstück absuchen kann.

Der Sanitätshund trägt dabei eine Schabracke mit dem Roten Kreuz, damit er gut sichtbar ist. Am Halsband ist ein Bringsel befestigt (oft ein geflochtenes Stück Seil).

Hat der Hund eine Person gefunden, nimmt er das Bringsel ins Maul und rennt zum Hundeführer zurück. Dieser nimmt ihm das Bringsel ab und lässt sich vom Sanitätshund mit dem Hörzeichen «Zeigen» zur gefundenen Person führen.

SAR Team

Fährtensuche (Fährtenhund)

Die Fährtensuche funktioniert ganz anders als die Flächensuche – mit dem gleichen Hund notabene. Der Fährtenhund sucht vom letzten Punkt aus, an dem die verletzte oder vermisste Person gesehen wurde. Natürlich auch hier zu jeder Tages- und Nachtzeit und bei jeder Witterung.

Während der Sanitätshund mit erhobenem Kopf durch sein Revier rennt und die vermisste Person vor allem mit den Augen sucht, hat der Fährtenhund seine Nase tief am Boden und arbeiten sich langsam voran.

Dabei trägt er nicht die Schabracke mit dem Roten Kreuz, sondern ein spezielles Geschirr mit einem Karabiner auf dem Rücken, an dem die sechs Meter lange Schleppleine befestigt ist.

Nach dem Hörzeichen «Such» bleibt der Fährtenhund an der Schleppleine. Diese Verbindung zum Hundeführer gibt dem konzentriert schnüffelnden Hund die nötige Sicherheit.

Der Fährtenhund verfolgt dabei die unverwechselbare Duftmischung von umgeknickten Grashalmen und Pflanzen, vom aufgerauten Boden und den Körperzellen, die von der gesuchten Person abgefallen sind.

Diese Duftmischung riecht der Hund bis acht Stunden, nachdem die gesuchte Person durchgegangen ist.

Wenn der Fährtenhund die vermisste Person gefunden hat, kann der Hundeführer sofort Erste Hilfe leisten.

Ausführliche Beschreibung der «Fährtensuche mit dem Wolfsspitz» weiter unten auf dieser Website.

Einsatzorte

Je nach Einsatzort unterscheidet man die Aufgabe der Rettungshunde in:

  • Flächensuche
  • Fährtensuche
  • Mantrailing
  • Lawinensuche
  • Trümmersuche
  • Wasserrettung
Wolfsspitz Belka klettert eine Eisenleiter runter.
Wolfsspitz Belka und Hundeführer im Biwak.

Die Ausbildung zum Rettungshund 

Die Ausbildung zum einsatzfähigen Rettungshund und Rettungshunde-Führer im Dienste einer Rettungsorganisation erfordert ein hohes Mass an Eigeninitiative mit hoher physischer und psychischer Belastung sowie einen grossen Zeitaufwand für das Training.

Die Anforderungen an einen Rettungshund und dessen Führer sind im Sport- und Dienstbereich sehr hoch. Das Team muss nebst körperlicher Gesundheit, auch belastbar und körperlich fit sein.

Nur Hunde mit einer guten Nervenfestigkeit und einer hervorragenden Nasenleistung können zum Rettungshund ausgebildet werden. Sie dürfen keinerlei Aggressionen gegen Menschen haben.

Vom Rettungshunde-Führer wird viel Feingefühl in der Zusammenarbeit mit dem Hund verlangt. Zudem muss er über Grundkenntnisse in Erster Hilfe, Orientierungsfähigkeit, Arbeiten mit Karte und Kompass sowie Fähigkeiten im Umgang mit technischen Geräten mit sich bringen.

Die Flächensuche und Fährtensuche erklärt

Wolfsspitz Belka auf einer Gletscher-Brücke.

Fährtensuche mit dem Wolfsspitz

Einmal pro Woche trifft sich meine Gruppe der Fährtenhunde-Führer im Kynologischen Verein Thun mit ihren Hunden am frühen Morgen auf einer grossen Wiese. Die erste Stunde bleiben die Hunde angeleint am Waldrand oder im Auto. Denn die Hundeführer müssen vor der Fährtenarbeit zuerst die Spuren (Fährten) legen. 

Eigenfährten, Fremdfährten und Windrichtung

Dabei unterscheidet man zwischen der Eigenfährte, die vom Hundeführer selbst gelegt wird, und der Fremdfährte. Letztere wird von einem Helfer gelegt und ist daher weder dem Hund noch dem Hundeführer bekannt.

Beim Spuren legen muss die Windrichtung beachtet werden. Der Wind sollte möglichst von der Seite oder von hinten kommen. Und allzu stürmisch sollte es auch nicht sein, weil die Duftmoleküle sonst so stark verwirbeln, dass die Suche für den Hund sehr schwer wird.

Jede Fährte muss sorgfältig angelegt werden

Bei jeder neuen Spur (Fährte) wird zuerst der Abgang (Ausgangspunkt) angelegt, indem der Hundeführer mit den Schuhen an Ort tritt. Auf diesem etwa 40 mal 40 Zentimeter grossen Abgang legen wir gekochte Hörnli (Teigwaren) in V-Form aus, so dass die V-Spitze auf die neue Fährte zeigt.

Dann stecken wir links neben dem Abgang ein oranges Markier-Fähnchen oder einen Abgangs-Stab ein und legen von diesem aus die Fährte. Mit den Schuhen zertreten wir das Gras und rauen den Boden auf. Immer Schuh an Schuh tapsen wir mehr oder weniger elegant über die Wiese. Bei jedem zweiten Schritt legen wir ein gekochtes Hörnli in die Spur.

Die Fährtenarbeit funktioniert über die Düfte der mechanischen Bodenverletzung, man spricht deshalb auch von der mechanischen Spur. Dies im Unterschied zum Mantrailing, bei dem der Hund die tatsächliche Geruchsspur des Menschen aufnimmt.

Für junge Hunde sind die Fährten noch schnurgerade, damit die Hunde nicht überfordert werden. Später werden die Spuren im Slalom angelegt oder sogar kreuz und quer über die Wiese.

Nach der ersten angelegten Fährte legen wir gleich noch zwei weitere Fährten. Denn die erste Fährte muss reifen: Die umgeknickten Grashalme und Pflanzen, der aufgeraute Boden und die Körperzellen, die von uns Hundeführern abgefallen sind, vergären zu einer unverwechselbaren Duftmischung.

Jede Fährte ist eine unverwechselbare Duftmischung

Die Duftstoffe aus den Pflanzensäften explodieren regelrecht innerhalb der ersten halben Stunde und verschwinden dann ebenso schnell wieder. Der menschliche Geruch bleibt in der ersten Stunde gleich stark und verduftet dann langsam im wörtlichen Sinne. Danach steigen die Erdgerüche an und bleiben für unsere Hunde zwischen drei und acht Stunden riechbar.

Die gekochten Hörnli sind also nur eine kleine Belohnung zwischendurch, die nicht riechen und möglichst wenig sichtbar sein soll. Die Hunde folgen der mechanischen Spur von umgeknickten Grashalmen, aufgerautem Boden und menschlichen Körperzellen. 

Fährtenarbeit ist für den Hund eine Höchstleistung

Dabei riechen die Hunde beim Ein- und Ausatmen – und sie riechen «Stereo», also durch jedes Nasenloch separat. Zusätzlich nehmen sie Gerüche auch über das Jacobson-Organ im Gaumen wahr. Dafür ziehen die Hunde den Mittelteil der Lefzen hoch, so dass die Luft zwischen den Zähnen in den Gaumen hochziehen kann. Das Jacobson-Organ transportiert die aufgenommene Information sofort an das Limbische System im Gehirn, die Kommandozentrale für Emotionen, Triebverhalten und intellektuelle Leistungen des Hundes.

Die Prüfungsordnung für Fährtenhunde verlangt, dass diese «dem Fährtenverlauf mit tiefer Nase, intensiv, ausdauernd und in möglichst gleichmässigem Tempo (abhängig von Gelände und Schwierigkeitsgrad) folgen.»

Der Fährtenhund arbeitet an der Schleppleine 

Erst nach einer Stunde nehmen wir unsere Fährtenhunde an die sechs bis zehn Meter lange Schleppleine. Mit dieser können wir das Tempo unserer Hunde bestimmen. Am ständigen leichten Zug an der Schleppleine merken die Hunde, dass sie die Fährte gemeinsam mit uns Hundeführern erarbeiten.

Einen Meter vor dem Abgang ziehe ich meinem Wolfsspitz ein spezielles Geschirr an (Ruffwear Web Master Pro Harness) mit einem Karabiner auf dem Rücken, damit die Schleppleine den Hund weniger stört, weil sie nicht zwischen die Vorderbeine gerät.

Mit dem auffordernd motivierenden Hörzeichen «Such führe ich den Hund zum Abgang. Mein «Konkurrenz-Schnüffeln» (ursprünglich einmal von einem winterlichen Schnupfen) wirkt dabei Wunder. 

Für den Hund ist die Fährtenarbeit ein Spiel mit Belohnung

Ob schnurgerade, im Slalom oder kreuz und quer – der Fährtenhund schnüffelt sich konzentriert der Spur entlang, lässt auch mal das ein oder andere Hörnli liegen, und sucht zielstrebig den Jackpot. Denn am Ende der Spur liegt eine verschlossene Plastikdose, in der neben den gekochten Hörnli auch noch etwas Le Parfait als Belohnung wartet.

Der Fährtenhund verweist den Jackpot korrekt und macht auf das Hörzeichen «Zeigen» Platz, die Plastikdose zwischen den Pfoten. Der Hundeführer öffnet erst dann den Jackpot, dessen Inhalt die Hunde fressen dürfen. Und nach einer kurzen Pause geht’s zur nächsten Fährte.

Wolfsspitz Belka auf einer Gletscher-Brücke.

Flächensuche mit dem Wolfsspitz

Text folgt …